„Das größte Wunder nach dem Krieg ist die Demokratie, haltet daran fest!“


Am 27.1.2026, dem 81. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, bot die Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung RlP die Online-Teilnahme an einem Interview mit der Zeitzeugin Ruth Melcer an. Die heute 90jährige hat das KZ Auschwitz als Kind überlebt. Sie beantwortete die im Vorfeld zugesendeten Fragen der aus ganz Deutschland zugeschalteten Schülerinnen und Schüler. Von unserer Schule online mit dabei war der Katholische Religionskurs der Klassenstufe 10.

So berichtete Frau Melcer zunächst vom Leben im Kleinen Ghetto in ihrer polnischen Heimatstadt; noch immer ist für sie die Kälte des dunklen Kellerzimmers, das sie sich zu viert teilen mussten, spürbar. Ihr jüngerer Bruder Mirek wurde zusammen mit vielen anderen Kindern 1942 in einem Waldstück erschossen. Sie entging diesem Schicksal, da man ihr Alter mit 12 angegeben hatte - sie war in Wirklichkeit 7 Jahre alt - und mit 12 Jahren galt man als arbeitsfähig, um in einem Arbeitslager als Arbeitskraft eingesetzt zu werden.

Mit ihren Eltern wurde sie als Neunjährige im Sommer 1944 in einem Viehwaggon ins KZ Auschwitz deportiert. Das Schlimmste dort waren für sie der Hunger und die Angst. Im Lager hielt eine Kapo namens Olga das Mädchen versteckt, da dieser klar war, dass es sonst dort nicht lebend herausgekommen wäre. Die Eltern wurden auf den Todesmarsch geschickt, während die Kinder ins „Zigeunerlager“ gesteckt wurden. Als die Rote Armee die Insassen am 27.1.1945 befreiten, bot sich ihnen ein Anblick unsagbaren Grauens. Die Kinder wurden in ein Kinderheim in Krakau gebracht, und erst Monate später gab es ein - nicht mehr erhofftes - Wiedersehen mit ihren Eltern. Frau Melcer erinnert sich, dass sie nach dem Krieg ein Kind voller Wut und Aggressionen war: „Ich dachte, ich bin die Rache für Hitler!“

Viele Jahre konnte sie nicht über das Erlebte sprechen, plagten sie Schuldgefühle gegenüber denen, die Auschwitz nicht überlebt hatten. Doch genau für diese Menschen hat sie begonnen, ihre Geschichte zu erzählen, es sei für sie eine „innere Verpflichtung gegenüber denen, die gestorben sind.“

Durch ihre Erzählungen bekam das, was allgemein über den Holocaust bekannt ist, ein ganz konkretes Gesicht. Es beeindruckte uns Zuhörer sehr, wie offen Frau Melcer über ihre traumatischen Erfahrungen sprechen konnte, es machte betroffen, dieses Erlebte aus erster Hand zu hören, es machte nachdenklich, dass sie viele Parallelen zwischen damals und heute sieht. Ruth Melcer schloss mit der Warnung: „Denkt an diese Parallelen, fangt an euch zu wehren, setzt euch JETZT für Demokratie ein!“

von unserer Autorin
Angela Schumacher